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11.11.2017 – Rachmaninow / Tschaikowsky – Ballett – Opernhaus Dortmund

Ballett von Xin Peng Wang – Premiere.
Sergej Rachmaninow, 3. Klavierkonzert; Peter I. Tschaikowsky, 6. Symphonie “Pathétique”
Nikolai Tokarev, Klavier
Dortmunder Philharmoniker, Gabriel Feltz

Nach langem musiklosem Anfang – nacheinander treten Tänzerinnen und Tänzer im einheitlich blauen Ganzkörperanzug mit Kapuze auf – setzt sich der Pianist an den links vorn auf der Bühne stehenden Flügel, klappt noch einen Deckel zurück, der Dirigent betritt im Graben erst jetzt sein Pult und das Klavierkonzert geht los, der Tanz geht weiter.
Will ich nun den Pianisten, der recht dicht vor mir sitzt, oder doch die Tänzer beobachten? Der Pianist Nikolai Tokarev spielt brilliant, phantastisch, hinreißend. Und daneben, dahinter läuft das Ballett. Meine Aufmerksamkeit ist zunächst mehr beim Pianisten, der endlich einmal bei Rachmaninow nicht im Orchestertrubel untergeht, sondern – vom Orchester getrennt – deutlicher zu hören ist. Aber es ist ja Ballett und ich sollte eigentlich mehr auf den Tanz achten. Das geschieht auch zunehmend, denn die Musik finde ich stimmig umgesetzt. Das Bühnenbild mit dem schalenartigen Fragment, an dem die Tänzer hochlaufen und auch wieder runtergleiten können, hat etwas Abstraktes, wie auch alle Tänzerinnen und Tänzer als geschlechtslose Figuren erscheinen.
Das Ballett gefällt mir gut, aber dass der Pianist als quasi dekoratives Beiwerk daneben sitzt und aber höchst virtuos musiziert – also mit Tänzerinnen und Tänzern gleichwertig agiert, das finde ich herabwürdigend. Den Pianisten zu sehen, reichte völlig aus, den Tanz mit unsichtbarer Musik zu sehen, reichte völlig aus. Die Musik ist ja auch keine Ballettmusik.

Bei der Symphonie ist ja dann ausschließlich der Tanz auf der Bühne und das Orchester im Graben. Zu sehen ist sehr konventioneller, klassisch traditioneller Tanz. Die Solisten Lucia Lacarra und Marlon Dino tanzen ganz wunderschön, ebenso alle anderen. Vieles erinnert an Pas de deux unterbrochen von kleinen oder großen Ensembles. Zu Tschaikowskys Musik werden so wahrscheinlich alle oder viele Erwartungen erfüllt, aber das Existenzielle der Musik geht mir in dem Schöntanz doch etwas unter. So findet auch der dramaturgisch wirkungsvolle Absturz vom 3. zum 4. Satz wegen der Beifallsunterbrechung nicht statt. Schade! Am Ende bleibt es dann doch wie ein bisschen Schwanensee.
Nichtsdestotrotz, für Ballettfreunde und die, die es werden wollen, sehr sehenswert!
p.s.: Nikolai Tokarev spielt leider nicht immer, hat vielleicht nur an diesem Abend gespielt. Schade!