Begleittexte

zu den Kompositionen
Violette Nacht

Eine frühe Komposition aus der Zeit des beginnenden Studiums. Eigener Text; die Musik ist durchaus von klanglichen Vorbildern wie Wagner und Berg beeinflusst.

Lieder an Max

an Max bezieht sich auf Wolfgang Hildesheimers Buch Mitteilungen an Max über den Stand der Dinge und anderes. Hier werden kleine Textpassagen verschiedenster Autoren unmerklich in den eigenen Text eingeflochten. Die Auswahl und Zusammenstellung der drei vertonten Gedichte beruht auf Hildesheimers Auswahl. Analog zu Hildesheimer finden sich kleine musikalische Zeugnisse verschiedenster Komponisten unmerklich im Notentext verwoben.

Die Medea von Lodz

Ein Auftrag aus der Schauspielabteilung der Musikhochschule Hannover während der Studienzeit für ein Schauspielprojekt mit Medea-Texten.

Melodie “auf der Suche nach einem großen Bee”

Ein Auftrag des Musikschulverbunds Nord-West-Niedersachsen. Die verschiedenen Kompositionen für die unterschiedlichen Ensembles des Konzerts sollten eine Gemeinsamkeit haben: das Rondothema aus Beethovens Klaviersonate op. 10 Nr. 3. Dieses Thema wird hier musikalisch neu er/gefunden und zerfällt bereits im Moment des Findens im weiteren Fluss des Stückes.

Canzona da fragmenta

Dieses Trio wurde für Elisabeth Schwanda im Rahmen ihres Konzertexamens an der Musikhochschule Hannover geschrieben. Die Besetzung entsprach dem Wunsch Elisabeth Schwandas, mit guten Freunden ein Musikstück gemeinsam musizieren zu können. Der Ausdruck da fragmenta im Titel bezieht sich auf Franz Schuberts sogenannte Unvollendete Sinfonie h-moll – ein (zu der Zeit) Lieblingsstück von Elisabeth Schwanda. Das Hauptthema des ersten Satzes findet subtile Verwendung in der Komposition.

Melodrap

Ein Kompositionsauftrag des Wilhelm-Busch-Museums Hannover zum 125-jährigen Jubiläum der Bildergeschichte Max und Moritz von Wilhelm Busch.

Ausgewählte Textpassagen, rhythmisch gesprochen, zum Teil auch mehrschichtig, begleitet von Schlagzeug, Bass und Synthesizer werden mit für Gesang und Klavier vertonten Textfragmenten der Sekundärliteratur kontrastiert – eine Collage.

Kleines Konzertantes Duo (“in einem Griff”)

Der Zusatz “in einem Griff” bezieht sich darauf, komplizierte Doppel-, Tripel- oder Quadrupelgriffe bzw. Grifffolgen auf dem Streichinstrument wie in einer Bewegung zu handhaben. So lautete gelegentlich ein Hinweis meines Lehrers Oswald Gattermann. Eine solche durchaus diffizile Passage kommt hier vor.

Prélude à midi

Eine virtuose Komposition, die Ellen und Hans-Jörg Wegner – einer wunderbaren Musikerin und einem wunderbaren Musiker – gewidmet ist.

A midi – zur Mittagszeit also – geschieht manchmal Wunderliches. Es ist die Zeit Pans. Er löst – wie sein Name besagt – mitunter Panik aus oder schlägt den mittagsmüden Menschen in seinen Bann.

Ein eigenes Gedicht als poetischer Gedanke zur Musik ist der Komposition vorangestellt.

Der Mittagszauber

(ein Programm? – ein poetischer Gedanke!)

Wenn im Süden
nach kühlem Morgen
die Sonne allmählich im Zenit steht,
kommt die Mittagshitze auf
und der Mensch ergibt sich ermattet seinen Tagträumen.
Nun lugt plötzlich Pan
mal hier
mal dort
hinter einem Baum
einem Busch hervor
oder schaut durchs Fenster hinein
und schreckt den Schläfrigen auf.
Der verfällt bald wieder seinen Träumen
und versinkt darin.

Jetzt hat Pan seinen großen Auftritt.
Triumphierend das Schilfrohr gen Himmel reckend,
mit seinen Hufen auf den Boden stampfend
und sich wild gebärdend,
schlägt er alles in seinen Bann,
verbreitet Furcht
und Schrecken.

Doch lang währt seine Tyrannei nicht.
Wenn die Sonne alsbald wieder sinkt
und die Hitze vergeht,
dann verschwindet auch er,
um vielleicht nochmals flugs hervorzuschauen,
hier
und dort,
bevor der Spuk ein Ende nimmt.

Sanfte Erinnerung an den Morgen stellt sich ein.
Der Mensch reibt sich verwundert die Augen.
War das ein Traum?

Lamento

Ein sechstöniges Thema (d – cis – h – c – b – a) wird in sechs Stimmen im Quartabstand kanonisch enggeführt und in gebetsmühlenartiger Wiederholung immer wieder leicht variiert, bis es am Ende zu einer neuen Sphäre durchbricht.

Innerungen

Eine Ausgangsidee zur Komposition eines Streichquartetts war die völlige Gleichberechtigung aller Stimmen und Instrumente, die ja in der Regel in der Literatur nicht gegeben ist. Der Unterschied zwischen sogenannter Melodie und sogenannter Begleitung sollte aufgehoben werden: das eine ist das andere. Ein zweites Anliegen war mir eine gleichsam gesetzmäßige Nachvollziehbarkeit jedes Tons, der in den Grenzen jedes Instruments der Beliebigkeit enthoben sein sollte. So kommt es zu einer kontrapunktischen, überwiegend kanonischen Textur, die in Passagen engster Verzahnung zu klanglichen Flächen verschmilzt.

Aufgrund der Bezeichnung Quartett kreisten weitere Gedanken um die Zahl 4, die Quarte, und den Tetrachord (z.B.: g – a – h – c   oder   c – d – e – f).

Die Satzbezeichnungen entstanden erst nach Beendigung der Komposition. introitus zum ersten Satz bedeutet ja “nur” Eingang und finis zum letzten Satz Ende, Grenze, aber auch Ziel. Der zweite Satz in memoriam erscheint mir eher als ein Versinken in sich selbst als eine bloße Erinnerung im Sinne eines An- oder Gedenkens. Die Melodik und Struktur des dritten Satzes ließen mich an viele angenehme Zeiten und Wanderungen in Südengland denken. Der Titel Innerungen lässt sich vielfältig deuten.

Eine Fassung für Streichorchester liegt inzwischen vor.

Zwei Romanzen  —  Romanze in g, Romanze Nr. 2 (in f) – Reflexion

Nach der Komposition und Uraufführung der Romanze in g für Violine und Klavier im Jahr 1992 folgten recht bald erste Skizzen für eine zweite Romanze. Die erste sollte laut Auftrag eine Romanze in G-Dur sein für ein Konzert mit ausschließlich G-Dur-Romanzen. Bei mir wurde es eine atonale Komposition, deren Melodik auf vielfältige Art um den G-Dur Dreiklang mäandert und einen durchaus erkennbaren Zentralton g hat.
In einer Konzertpause gab ich einer Geigerin die Noten der Romanze in g, was ein anderer Musiker kommentierte: “Die ist doch von Beethoven”. Das brachte mich auf den Gedanken, die Komposition der zweiten Romanze müsse etwas mit dem Ton f zu tun haben.
Diese zweite Romanze hatte bereits einen erkennbaren Zentralton f. Es ist der dritte Ton des zentralen Drei-Ton-Motivs (h – dis – f), auf den die beiden ersten zusteuern. Im Laufe der Arbeit wurde das (Schicksals- oder Todesverkündigungs-)Motiv aus Wagners Der Ring des Nibelungen dem Anfang vorangestellt. Der Cis-Dur-Dominantseptakkord enthält das h und wird dann durch das dis wunderbar zum Dominantnonakkord ergänzt. Das f ist bereits im d-moll-Akkord und im Cis-Dur-Dominantseptakkord (enharmonisch als eis) als somit konstanter Ton vorhanden.

Reflexionen oder Spiegelungen gibt es unterschiedlicher Art: Zum einen wird ein chromatisches Motiv aus der ersten Romanze aufgegriffen und vielfältig verarbeitet. Die komplette Violinstimme wird im Klavier im Tritonusabstand kanonisch versetzt gespiegelt. Das erste Zwischenspiel wird mittig vertikal gespiegelt. Nicht zuletzt wird die Drei-Ton-Melodik des Wagnerschen Motivs in meinem Dreiton-Motiv (intervallisch vergrößert) reflektiert.

Die Arbeit an dieser zweiten Romanze blieb Jahre und Jahrzehnte liegen und konnte aber nun abgeschlossen werden.

Eine Fassung beider Romanzen für Violine und Blasorchester liegt nun vor.

Meditation

ursprünglich für Flöte und Klavier und in einer Fassung mit zusätzlichem Violoncello,
dann auch noch für Klarinette und Klavier, Fagott und Klavier, Viola und Klavier, Violoncello und Klavier.

Meditation (aus dem Lateinischen von meditatio, bzw. meditari „über etwas nachdenken, nachsinnen, etwas überdenken“ und aus dem Altgriechischen von μέδομαι medomai „denken, sinnen“)
Septennien (aus dem Lateinischen von septennium (septem u. annus) „Zeitraum von sieben Jahren“)
Die Idee, dass menschliche Entwicklung in Perioden von ca. sieben Jahren verläuft, erscheint schon in der Antike. Diese Idee gibt der Komposition das formale Gerüst, aber auch den inhaltlichen Grundgedanken.
Um den Ton g (in der Klarinettenfassung a) kreisend entwickeln sich in siebentaktigen Perioden – quasi mit zunehmendem Alter – eine immer stärker Raum greifende und lebendigere Melodie in dem Melodieinstrument und auch ein zunehmend komplexeres Geschehen im Klavier. Über die 70 (Takt 70) hinaus beruhigt sich allmählich die Musik und Strukturen lösen sich bis hin zum Ende, dem eine gewisse Offenheit inne ist, auf.
Völlig unabhängig von dieser einen Deutungsmöglichkeit ist die Melodieinstrumentenpartie wie eine Arie mit Koloraturen gestaltet, die in der Ausführung durchaus eine gewisse zeitliche Flexibilität (rubato) erfahren darf.

crispy crab cocktail

Ein Auftrag von Cello Pur für Cello-Orchester mit Marimba. Für 8 Cellostimmen (mit 4 Celli ist es auch möglich) und Marimba gesetzt.

Chant de la nuit

Eine Bearbeitung des kleinen Stücks dreaming aus …ings – hier für Flöte und Harfe oder Klavier.
Auch in Fassungen für Viola und Klavier und Violoncello und Klavier.

Wandlungen

Triographie für Oboe, Klarinette und Fagott

Eine Komposition, die sich mit (teils großen) Unterbrechungen über einen Zeitraum von 28 Jahren erstreckte und mich insofern lange begleitet hat. Ob der Prozess endgültig zu einem Abschluss gekommen ist, das  wird die Zeit zeigen.

Wandlungen sind, Wandel ist das einzig Beständige unseres menschlichen Daseins. Ohne diese Prozesse des Werdens und Entstehens ist kein Leben möglich. Gleichzeitig wohnt ihnen aber auch von Anfang an Vergänglichkeit in Form von Verfall, Zerstörung, Sterben und Tod inne.
Ausdruck bzw. Metaphern dieser Wandlungen sind beispielsweise die vier Lebensalter oder -phasen (Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter) oder die vier Jahreszeiten.
Die allem anhaftende Vergänglichkeit lässt sich durch nichts besser darstellen als durch Musik, da sie an die flüchtige Zeit gebunden ist. So erscheint die Musik als Zeitkunst als ein Sinnbild und Inbegriff gleichzeitigen Werdens und Vergehens.
Dabei ist das Erleben von Musik subjektiv und lässt sich oft nahezu beliebig vielfältig deuten. Jeder kann in sie hineinprojizieren, was er möchte. Diese Komposition z.B. lässt sich in vier große Abschnitte einteilen, die sich als die vier Lebensalter deuten lassen.
Der Begriff Triographie meint eine (Lebens-)Darstellung von oder mittels drei Instrumenten.
Die Zahl drei kann Vollkommenheit und Göttliches, die Zahl vier Unvollkommenheit und Irdisches bzw. Menschliches symbolisieren.

– copyright 2019 by Matthias Düe –