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12.10.2017 – Schumann Quartett & Sabine Meyer – Konzerthaus Dortmund

Wolfgang Amadeus Mozart, Streichquartett F-Dur KV 590
Robert Schumann, Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 41 Nr. 2
Max Reger, Klarinettenquintett A-Dur op. 146

Das Schumann Quartett besteht aus den drei Brüdern Erik Schumann, Violine; Ken Schumann, Violine; Mark Schumann, Violoncello und Liisa Randalu, Viola.
Bei diesem Quartett erlebe ich das Phänomen der Vier Temperamente allzu deutlich – wenn sie denn musizieren. Treten sie auf und ab, verbeugen sich, merkt man den Musikern ein Temperament kaum an. Musizieren sie, dann verwandeln sich ihre Physiognomien und die Vier Temperamente kommen zum Vorschein. Mir erscheinen Erik Schumann als der Melancholiker – der Nachdenkliche (ohne Trübnis), Ken Schumann als der Sanguiniker – der Spaßvogel und Genussmensch, Mark Schumann als  der Phlegmatiker – glücklich und zufrieden genügt er sich selbst und Liisa Randalu als der Choleriker, die sich dazu gesellt hat, – streng, faucht hin und wieder mit ihrer Bratsche und hat bereits eine kleine Zornesfalte. Alle vier zusammen verschmelzen zu einer wundersamen klanglich-menschlichen Einheit, in der sich die volle Bandbreite des Lebens – eben das ganze Spektrum der Temperamente – entfaltet. Und das in einer wunderbar ausgewogenen Art und Weise.

Das Mozart-Quartett zu Beginn finde ich stilistisch stellenweise nicht ganz überzeugend, aber trotzdem sehr schön. Beim 2. Quartett von Robert Schumann stimmt für mich dann alles.
Nach der Pause kommt Sabine Meyer, Klarinette dazu. Das Schumann Quartett bleibt sich treu und die höchst empfindsame Sabine Meyer erweitert das Ensemble quasi um eine 4. Dimension. Ihr äußerst wandlungsfähiger Ton (phantastisch insbesondere im pianissimo), verschmilzt mal, kontrastiert oder dominiert mal und erreicht spätestens im 3. Satz des Reger-Quintetts eine neue Sphäre. Das korrespondiert mit Regers Komposition, die in diesem Satz frei von seinen sonst oft üblichen Floskeln zu einer höheren Stufe in Melos, Struktur und Ausdruck gelangt ist.
Die (erwartete) Zugabe, ein Satz aus Mozarts Klarinettenquintett (Larghetto), ist dann nicht mehr von dieser Welt.
Das war eine Sternstunde. Brava! Bravo! Bravi!