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Blog 15.4.2017 – Der Ring des Nibelungen: Siegfried – Oper

von Richard Wagner – Deutsche Oper, Berlin – Inszenierung: Götz Friedrich – Leitung: Donald Runnicles.

Am dritten Abend warte ich immer noch auf einen Dernierengag, aber wahrscheinlich schließt ein Ring so etwas per se aus (?). Der erste Akt böte sich sicherlich an, der Siegfried wird ja häufig als Scherzo der Tetralogie gedeutet und die Rolle des Mime ist ja eine durchaus auch komische.
Der erste Akt vergeht gefühlt wieder rasch wie auch der zweite. Längen hat dann der dritte Akt, wobei die genussvoll sind, da die Sängerin der Brünnhilde heute Ricarda Merbeth ist, die für meine Ohren wunderbar singt: leicht, bei gleichzeitiger Klangfülle und Kraft gepaart mit einer angenehmen Wärme der Stimme. Leider ist sie nicht mehr in der Götterdämmerung als Brünnhilde besetzt, sondern als Gutrune. Siegfried – Stefan Vinke, bereits im ersten Akt sehr gut – hat sich im dritten Akt nochmal gesteigert, auch wenn mich seine partielle Artikulationsschwäche der s-Laute stört, die die Verständlichkeit und Präzision mindern. Aber er ist Brünnhilde stimmlich ein gleichwertiger Partner und das erlebt man leider selten, weil die meisten Siegfrieddarsteller im dritten Akt bereits verausgabt sind. Also Brava! und Bravo!

Ein Gespräch anderer Opernbesucher (extra aus Wien angereist, denn dort findet sie kaum eine Oper, die sie sich dort anschauen mag – und aus Hannover) im Restaurant après am Nachbartisch, das ich aufgrund räumlicher Nähe nicht ausblenden kann, lässt mich alle guten Gedanken, die sich gesammelt haben, vergessen. Der Begriff konservativ, was die Bewertung von Musik und Oper betrifft, wäre beschönigend, reaktionär würde intendieren, dass irgend eine Art des Agierens, der Bewegung vorläge. Hier wird alles, was an Leben und Neuartigem in der Kunst ist, negiert. Ich erinnere an Wagner: Stets Gewohntes nur …
Ein Verstehen scheint es hier allerdings sowieso nicht zu geben, es geht nur um die Bestätigung von Altgedientem – oder besser: Ausgedientem.
Bona nox … bona notte, liebe Lotte … bleibt da bei solchen Rezipienten nur noch zu sagen.