Blog

Blog 13.5.2017 – Einstein on the Beach – Oper –

von Philip Glass und Robert Wilson – Inszenierung, Kay Voges – Opernhaus Dortmund.

Ca. dreieinhalb Stunden Musik und Theater ohne Pause. Der Fluss der Musik lässt sich nicht unterbrechen, heißt es. Aber man darf den Saal verlassen und wieder hineinkommen, wie es beliebt. Dafür ist die Bestuhlung mit den engen festinstallierten Reihen nicht gemacht. Ich sitze außen und kann so leichter zur Seite treten, wenn jemand in die Reihe will oder heraus.
Ich erlebe diese Oper zum ersten Mal, habe immer wieder gehört, man verpasse nichts, wenn man zwischendurch hinausgehe, aber ich halte durch, ohne hinauszugehen. Und das stellt sich für mich auch als gut heraus, denn ich denke, es ist wichtig, ein Werk komplett erlebt zu haben.
Die endlosen Wiederholungen minimalistischer Musikschnipsel wie Dreiklänge und Tonleiter(ausschnitte) und gesprochene und gesungene Zahlen von vorwiegend eins bis acht und auch spätere gesprochene Textpassagen führen bei mir nach gut der Hälfte zu Ermüdungserscheinungen. Die ewigen Schlaumeier, die ihren Nachbarn das Gesehene/Gehörte unmittelbar erklären, sind nach etlichen bösen Blicken schon lange verstummt und stören nicht mehr. Jetzt hat aber der Knisterer endlich seinen großen Auftritt. Er sitzt in meiner Reihe fünf Sitze weiter. Ob die Erdnusstüte nicht aufgehen will oder ob das Geräusch seiner Meinung nach so schön ist, vielleicht möchte er sich auch musikalisch beteiligen. Er hört und hört nicht auf. Die Erklärfraktion hinter mir findet es hörbar lustig, ich bin zunehmend genervt und auch nach meiner deutlichen Ansage, bitte das Knistern zu unterlassen, kehrt keine Stille ein. Man will sich ja auch nichts sagen lassen. Nach und nach verebbt das Knistern endlich, aber Erdnüsse werden auch noch eine Stunde später gegessen.
Für solche Nebenschauplätze ist durchaus Raum, denn das Geschehen wiederholt sich. Wobei – geschehen tut eigentlich nichts. Aber dieses Nichts hat durchaus auch Unterhaltungswert. Es scheint ein Stück wie für Kay Voges gemacht. Der Theaterregisseur ist vertraut mit minimalistisch Repetetivem. Viele seiner Inszenierungen bzw. eigenen Kreationen nutzen die gleichen Mittel: Skurrile Kostüme, Statisches in der (sparsamen) langsamen Bewegung, eine aufwendige Licht- und Videoshow. So spielen auch Andreas Beck und Bettina Lieder aus dem Theaterensemble die Sprechrollen. Mit beeindruckender Präzision und Präsenz geschieht das. Bravourös!
Im letzten Drittel kommt etwas Leben in die Bude. Die zwölf Sängerinnen und Sänger des Chorwerk Ruhr verteilen sich im Parkett und bewegen sich im Raum. Dieses Rundumklangerlebnis wiederholt sich nochmals nun in einer Mischung aus Rumpelstilzchen- und Morlockkostümen, wobei auch noch die Reihen durchstreift wurden.
Die Chor- und Gesamtleitung hat Florian Helgath.
Die Aufführung finde ich musikalisch in ihrer Präzision beeindruckend. Das Fehlen von Dynamik, die Länge des Stücks, das sind Momente, die teilweise auch nervig bis nur schwer erträglich sind.
Nichtsdestotrotz ein interessantes Erlebnis.